Man müsste sich über Nacht einsperren lassen im Berliner Bode-Museum. Nur ein einziges Mal. Warum? Weil es dann die einzigartige Gelegenheit gäbe, eine ganze Reihe von Charakterköpfen in der Dämmerung, im spärlichen Restlicht der Nacht und im Morgengrauen zu studieren. Sie wirken bestimmt jedes Mal anders auf den Betrachter.
Archiv für den Monat Juni 2012
Was ich am Theaterpublikum hasse (4): Analphabeten, Platzhopser, Zuspätkommer
Ein Theaterbesuch ist gar nicht so kompliziert zu bewerkstelligen, sollte man meinen. Denn: Man erhält vorher eine Karte, auf der Termin, Zeitpunkt und Sitzplatz für die Aufführung notiert sind. Es gibt also eigentlich nichts mehr, was der Besucher falsch machen kann. Eigentlich!
Kleine Meditation am Waldsee
See, Himmel, Baum. Mehr braucht es nicht. (Aufgenommen im Garten des Haus am Waldsee, Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst)
Berliner Kult(ur)kneipen (3): Kantine des Berliner Ensemble
Nur wenige Kneipen in Berlin dürften so schwer zu finden sein. Zwar kennt jeder das berühmte Berliner Ensemble am Schiffbauerdamm. Doch wer in die öffentliche Kantine des Schauspielhauses will, der muss erst einmal am Gebäude vorbei, am Pförtner und an einer Schranke vorbei und dann noch quer über einen Innenhof (in dem Dauer-Intendant Claus Peymann vor kurzem seinen 75. Geburtstag feierte), um dann schließich eine schmale Kellertreppe hinabzusteigen.
Hätten Sie gerne einen Schriftsteller bei sich auf dem Sofa sitzen?
Zunächst mal ist es ein wenig gewöhnungsbedürftig. Man meldet sich via Internet für eine Lesung an, überweist seine 18 Euro Eintrittsgebühr und erhält eine Adresse, von mir aus: Elberfelder Straße 197a, III. Stock links, bei Pfannschmidt klingeln. Dann steht man da. Und soll bei Pfannschmidts klingeln. Obwohl man sie überhaupt nicht kennt. Auf ihrem Wohnzimmersofa sitzen, ihren Wein trinken und einem Schriftsteller zuhören.
Kunst am Wegesrand (2): Eine Brücke mit Geländerpiercing
95 Prozent der Passanten fällt das Kunstwerk erst gar nicht auf. Jede Wette darauf. Aber gerade das ist der Reiz an dem Bronzering, den Norbert Radermacher (*1953) vor bald 30 Jahren an der Potsdamer Brücke über den Landwehrkanal angebracht hat.
Wie man in´s Kunstmuseum gehen kann, ohne ein einziges Gemälde anzusehen
Vor einiger Zeit im Berliner Brücke-Museum: Ein Mann, wahrscheinlich in den 60ern, kariertes Hemd, Digitalkamera in der Hand, macht sich an die Arbeit. Er startet – ganz korrekt – beim ersten Gemälde der Ausstellung. Ohne das Werk genau anzusehen, fotografiert er es ab, dann folgt ein Schnappschuss des Hinweisschildes daneben, damit er später auch weiß, von wem das Bild stammt. So geht es 45 Minuten lang. Foto vom Gemälde, Foto vom Schild. Ein Schritt weiter. Foto vom Gemälde, Foto vom Schild. Ein Schritt weiter…



