Sliding prices: Jeder Besucher zahlt für die Kultur so viel, wie er will

Beim ersten Mal war ich noch ziemlich verdattert, als ich die Frage hörte. Es war im Tanztheater. „Was wollen Sie denn zahlen?“, fragte die Frau an der Kasse, als ich meine Eintrittskarte abholte. „Wie bitte?“, fragte ich zurück.

Die Auflösung folgte sofort. „Wir haben Sliding prices. Das heißt, Sie zahlen irgendetwas zwischen sieben und 15 Euro. Das dürfen Sie sich aussuchen.“ Beim ersten Mal habe ich mir noch gedacht, was das doch für eine originelle Idee ist. Könnte man zwar auch auf Deutsch sagen, „variable Eintrittspreise“ etwa, aber nun gut. Inzwischen ist mir das aber schon mehrfach begegnet in der Berliner Kulturszene.

Die Grundidee: Wenn man an die Selbstverantwortung des Menschen appelliert, wird er sich nicht schon immer an der untersten Preisgrenze orientieren. Sondern er wird so ehrlich und großzügig sein, je nach seiner Leistungsfähigkeit zu zahlen. Und tatsächlich: Bei fünf Besuchern nacheinander habe ich keinen erlebt, der nur den Mindestbetrag auf den Tisch legte.

Könnte das vielleicht ein neues Modell sein für den Kulturbetrieb? Oder zumindest für ausgesuchte Veranstaltungen? Einen Versuch würde es lohnen. Vorab interessiert mich, wie sich die Leser des Blogs metropolkultur in dieser Hinsicht einschätzen.