Diese Urlaubspostkarten landeten nicht im Altpapier, sondern im Museum

Die Urlaubspostkarte wird irgendwann aussterben. Das ist klar. Ihr wird es ähnlich ergehen wie der Telefonzelle, dem Brief, dem Anrufbeantworter, dem Faxgerät und dem Telegramm. Schon jetzt grüßen uns viele Bekannte via Facebook und Twitter aus den Ferien, schicken eine SMS oder senden uns eine Email mit ihren schönsten Fotos.  Schade, denn eine Motivpostkarte aus dem Briefkasten zu fischen…

… ist eben doch etwas anderes, als auf eine JPG-Datei zu öffnen. Kleiner Trost für alle Nostalgiker: Ein paar Urlaubspostkarten werden für immer bleiben. Weil sie Kunstwerke sind. Weil sie ein Vermögen wert sind. Einige von ihnen stellt momentan das Brücke-Museum in Dahlem aus.

Drei Menschen räkeln sich in ihrer Badekleidung am Strand. Hinten das Meer, vorne die Dünen, irgendwo in der Ferne ein Umkleidehäuschen. „Endlich Sommer“ hat jemand unter die Zeichnung geschrieben, mit vier oder fünf Ausrufezichen. Das Werk ist ein echter Pechstein. Max Pechstein, Mitglied der Künstlergruppe Die Brücke. Ähnlich wie Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner, Erich  Heckel und Fritz Bleyl hat er immer wieder von seinen Urlaubsorten kleine Zeichungen und Aquarelle versandt. Grüße an die Küstlerfreunde, die Familie, Geschäftspartner.

Was man zudem nicht vergessen darf: Die Postkarte war damals, Anfang des 20. Jahrhunderts, eines der schnellsten Kommunikationmittel. In den Großstädten kam der Briefträger bis zu drei Mal am Tag. Man konnte also bequem über eine Postkarte einen Termin für den nächsten, übernächsten Abend ausmachen. Was die Herren Künstler denn auch immer wieder taten.

Die Motive leugnen den Entstehungsort der Zeichnungen und Aquarelle nicht. Wir sehen Max Pechstein als Angler, ein Segelboot von Karl Schmidt-Rottluff, eine nackte Badende von Ernst Ludwig Kirchner. Oft waren die Postkarten auch Skizzen für später entstandene Gemälde – eine Entwicklung, die in der Ausstellung „Besten Gruß….“ schön aufgezeigt wird. Die 67 Postkarten sind noch bis zum 23. September zu sehen. Der von Magdalena M. Moeller herausgegebene Katalog kostet 18 Euro. Unten in der Galerie sind sechs Vorder- zwei Rückseiten von Künstler-Urlaubspostkarten zu sehen. (Fotos: Katalog, Baumer)