Ich wollte Europa retten. Hat leider nicht ganz geklappt.

Eine Direktwahl der europäischen Regierung. Gibt´s nicht? Doch. Zumindest im Improvisationstheater.

Die Performancegruppe Interrobang, dem Zeitgeist stets dicht auf der Spur, hat in den Sophiensälen zum optimalen Zeitpunkt ihr Stück Preenacting Europe auf die Bühne gebracht. Ein ganzer Kontinent diskutiert darüber, warum Europa nicht so richtig funktioniert – und Interrobang klärt die Frage spielerisch.

Wer die Veranstaltung besucht, der ist selbst gefordert. Das merkt er schnell, weil ihm am Eingang drei Abstimmungskarten überreicht werden. Von denen kann er dann reichlich Gebrauch machen. Das Grundprinzip der interaktiven Performance: Drei Parteien mit jeweils einem Spitzenkandidaten bewerben sich darum, die europäische Regierung übernehmen zu dürfen. Zum Beispiel mit der Idee eines „Schwarmeuropa“, in dem an jedem Ort „Brüsseler Stübchen“ eingerichtet werden – eine Art Klagemauer/Beschwerdestelle für alle Bürger. Den Spitzenkandidaten werden Fragen gestellt und die Zuschauer entscheiden mit Hilfe ihrer Abstimmungskarten, wer gewinnt.

Dann geht es aber erst richtig los. Die Regierung muss versuchen, das Publikum von ihren Projekten (zum Beispiel Finanztransfers) zu überzeugen. Ein Vorhaben kann nur umgesetzt werden, wenn die Zuschauer dafür bereit sind, Wertkarten abzugeben. Die Opposition (die beiden unterlegenen Kandidaten) tut alles, um das zu verhindern. Wie im wirklichen Leben auch erlebt man während der 100 Minuten Spielzeit Regierungskrisen, einen Regierungssturz, gescheiterte und gelungene Projekt, Schwafeleien und Eifersüchteleien der Politiker. Unterhaltsam und lehrreich. Ich habe fleißig mitgestimmt, Wertkarten verschenkt und selbst welche erhalten. Europa retten, das konnte ich am Ende leider auch nicht.

Mitwirkende: Till Müller-Klug,  Nina Tecklenburg, Ekkehard Ehlers,  Lajos Talamonti (Interrobang), Martin Schick, Lisa Großmann, Tom Mustroph, Dorothea Schmans,  Flavio Ribeiro, Georg Werner,  Sandra Fox, Marc Pohl