Neulich ist mitten in Berlin ein Wald vom Himmel gefallen

Es muss wohl so gewesen sein: David Chipperfield hat mit den Fingern geschnippt und plötzlich fielen 144 gewaltige Fichtenstämme vom Himmel herab.

Der britische Architekt war mit der vorläufig letzten Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie betraut worden, die er in den kommenden Jahren grundlegend sanieren soll. Und da kam er auf etwas, das er selbst eine „Intervention“ nennt. Er ließ in dem verglasten Kubus der Nationalgalerie die acht Meter hohen Baumstämme aufstellen („Sticks and stones“). Deswegen können die Berliner nun bis Ende Dezember einen Waldspaziergang der ungewöhnlichsten Art machen – unter der Kassettendecke von Mies van der Rohes genialer Ausstellungshalle.

Wie genial dieser Raum ist, das merkt man alleine schon daran, welch unterschiedliche Ausstellungen hier in den vergangenen Jahren funktioniert haben, von Jeff Koons´riesigen Kitschfiguren aus Bronze über Rudolf Stingels Teppich-Auslegeware bis zu Thomas Demands Fotos und Otto Pienes Lichtspielen.

Nun ist also der aus 144 abgeholzten Bäumen bestehende Wald zu Gast im Glaskubus. Vor allem bei Dunkelheit ist das sehenswert, weil dann die Lichter des nahen Potsdamer Platzes in Verbindung mit den Stämmen eine höchst surreale Szenerie ergeben. Der Unterschied zwischen drinnen und draußen verschwimmt, es wird alles zu einem Gesamtkunstwerk.