Ich habe beim Konzerthausorchester als Cellist mitgespielt. Jedenfalls so gut wie.

Gut, zugegeben, die Überschrift ist stark übertrieben. Ich kann keine einzige Note korrekt auf dem Cello spielen und das renommierte Berliner Konzerthausorchester würde sich vermutlich besser auflösen, als mich in seinen Reihen aufzunehmen. Trotzdem war ich beim jüngsten Konzert Mitglied dieses Orchesters. Das heißt zumindest: Ich saß mittendrin.

Zu verdanken habe ich das dem Chefdirigente Iván Fischer. Der ist auf die Idee gekommen, die herkömmliche Sitzordnung – hier Orchester, dort Publikum – komplett aufzulösen. In seiner neuen Konzertreihe „Mittendrin“ sitzen die Zuhörer vor, neben, hinter den Musikern. Und zwar wirklich so, als ob sie selbst Orchestermitglieder wären. Sie konnten die Noten mitlesen, die Anspannung der Solisten kurz vor dem Einsatz spüren, den Blickkontakt der Musiker mit dem Dirigenten während des Konzerts beobachten.

Die Platzwahl ist bei dieser Art von Konzerten frei. Jeder darf sich zu der Instrumentengruppe setzen, die ihn am meisten interessiert. Bei mir waren das die acht Cellistinnen und Cellisten. Zwei vor mir, zwei hinter mir, zwei rechts von mir, zwei links von mir. Ich war der neunte Cellist. Jedenfalls fühlte ich mich zeitweise so, weil ich natürlich von den acht Musikern mitgerissen wurde, wenn sie mal wieder den Rhythmus vorgaben bei Franz Schuberts Sinfonie C-Dur D 944, der „Großen“.

Nach jedem der vier Sätze legte das Orchester eine kurze Pause ein. Iván Fischer griff zum Mikrofon, erläuterte dem Publikum die Besonderheiten des kommenden Satzes. Die Zuhörer durften unterdessen etwas machen, was sonst streng verboten ist: ihr Handy benutzen. Nicht zum Telefonieren, statt dessen aber, um dem Dirigenten per SMS eine Frage auf seine Handy zu schicken. Am Ende beantwortete er dann drei dieser Fragen. Zum Beispiel die, warum der Dirigent keine Noten brauchte, die Musiker schon. Er muss die Noten nicht so genau kennen. Großes Gelächter, auch bei den Musikern.

Übrigens eine Besonderheit noch: Wenn die Zuhörer neben den Musikern sitzen, dann fällt das übliche nervöse Husten und Räuspern, das einem sonst die Nerven raubt,  komplett aus. Nicht das geringste Nebengeräusch störte die Darbietung. Geht also doch, wenn man nur will.