Nur wenige Kneipen in Berlin dürften so schwer zu finden sein. Zwar kennt jeder das berühmte Berliner Ensemble am Schiffbauerdamm. Doch wer in die öffentliche Kantine des Schauspielhauses will, der muss erst einmal am Gebäude vorbei, am Pförtner und an einer Schranke vorbei und dann noch quer über einen Innenhof (in dem Dauer-Intendant Claus Peymann vor kurzem seinen 75. Geburtstag feierte), um dann schließich eine schmale Kellertreppe hinabzusteigen.
Archiv des Autors: metropolkultur
Hätten Sie gerne einen Schriftsteller bei sich auf dem Sofa sitzen?
Zunächst mal ist es ein wenig gewöhnungsbedürftig. Man meldet sich via Internet für eine Lesung an, überweist seine 18 Euro Eintrittsgebühr und erhält eine Adresse, von mir aus: Elberfelder Straße 197a, III. Stock links, bei Pfannschmidt klingeln. Dann steht man da. Und soll bei Pfannschmidts klingeln. Obwohl man sie überhaupt nicht kennt. Auf ihrem Wohnzimmersofa sitzen, ihren Wein trinken und einem Schriftsteller zuhören.
Kunst am Wegesrand (2): Eine Brücke mit Geländerpiercing
95 Prozent der Passanten fällt das Kunstwerk erst gar nicht auf. Jede Wette darauf. Aber gerade das ist der Reiz an dem Bronzering, den Norbert Radermacher (*1953) vor bald 30 Jahren an der Potsdamer Brücke über den Landwehrkanal angebracht hat.
Wie man in´s Kunstmuseum gehen kann, ohne ein einziges Gemälde anzusehen
Vor einiger Zeit im Berliner Brücke-Museum: Ein Mann, wahrscheinlich in den 60ern, kariertes Hemd, Digitalkamera in der Hand, macht sich an die Arbeit. Er startet – ganz korrekt – beim ersten Gemälde der Ausstellung. Ohne das Werk genau anzusehen, fotografiert er es ab, dann folgt ein Schnappschuss des Hinweisschildes daneben, damit er später auch weiß, von wem das Bild stammt. So geht es 45 Minuten lang. Foto vom Gemälde, Foto vom Schild. Ein Schritt weiter. Foto vom Gemälde, Foto vom Schild. Ein Schritt weiter…
Gleich nach dem Frühstück griff der König zur Flöte
Um 8 Uhr spielte der König Flöte. Eine halbe Stunde lang. Und niemand durfte ihn dabei stören. Das erfährt, wer die Ausstellung „Friederisiko“ im Potsdamer Neuen Palais besucht. Weiterlesen
Berliner Kult(ur)kneipen (2): Café K
Es dürfte in Berlin nur wenige Orte geben, die idyllischer gelegen sind als das Café K. Mitten im Westend, in einem großen Garten mit Skulpturen des Künstlers Georg Kolbe, spürt man wenig von der Großstadt. Dabei sind das Olympiastadion, die Stadtautobahn und das monströse ICC nicht weit.
Möbel zu Hause, aber kein Geld für Alkohol
Wer Kreuzberg verstehen will, der muss Klaus Bittermann lesen. Es sind nur zwei, drei Seiten lange Szenen, Skizzen, Beobachtungen, Einwürfe, die der Berliner Verleger und Autor in seinem Buch „Möbel zu Hause, aber kein Geld für Alkohol“ gesammelt hat. Aber sie besitzen – zusammengenommen – die Qualität eines großen Prosastücks.
Kunst am Wegesrand (1): Die wilden Männer von der Loschmidtstraße
Wer Kunst sehen will, der muss nicht immer in Museen und Galerien besuchen und Eintritt bezahlen. Oft reicht es, einfach nur mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen. In der Loschmidtstraße (Charlottenburg) kann man auf diese Weise die sieben Männer aus Bronze entdecken, die wild an der Fassade einer Schule herumturnen.
Letzter Aufruf Gerhard Richter! Bitte kommen Sie binnen zehn Tagen in die Neue Nationalgalerie!
In zehn Tagen ist es vorbei. Die Lesende (oben), die nackte Ema, die „4900 Farben“ und knapp 140 andere Gemälde verlassen Berlin.
Was ich am Theaterpublikum hasse (3): Applausdiebstahl
Im Strafrecht ist der Tatbestand nicht vorgesehen. In meiner eigenen kleinen Welt hingegen schon. Das Delikt heißt Applausdiebstahl und wird jeden Abend in Deutschland tausendfach begangen.







